Auszüge aus der Vereins-Chronik

1894

konkret am 11. März 1894, versammelten sich in einem Gasthof in dem langsam zur Stadt heranwachsenden Bauerndorf Pasing sanges-freudige Männer.

In erster Linie waren es Arbeiter der ehemals hier ansässigen Schuhfabrik Regensteiner. Um einmal in der Woche mit einander zu singen und das deutsche Volkslied zu pflegen, beschlossen sie, einen Chor zu gründen. Das Original-Gründungsprotokoll liegt uns vor.
Geleitet wurde diese Gründungsversammlung von Herrn Gerlach.

Man kam überein, dem Chor den Namen

„Arbeitergesangverein Liedertafel Pasing“

zu geben.

Zum ersten Vorstand wurde Herr Göttler, zum zweiten Vorstand Herr Plaschke, zum Schriftführer Herr Hublitz und zum Kassier Herr Thamm gewählt.

Das Eintrittsgeld legte man auf 50 Pfennige und den monatlichen Beitrag auf 30 Pfennige fest. Ferner wurde beschlossen, dem „Deutschen Arbeiter-Sängerbund“ beizutreten.
Der erste Dirigent der Liedertafel wurde Herr Bock.

Gleich in den ersten Monaten nach der Gründung der Liedertafel kam es zu einem raschen Wechsel der Vorstandschaft.
Schon am 15.04.1894 wurde Herr Wagner zum ersten Vorstand gewählt. In seiner Zeit wurden die Vereinsstatuten festgelegt. Aber schon am 20.04.1895 wurde Herr Moosmann erster Vorstand.

1895

erwarb der Verein die Liedersammlung „Regensburger Liederkranz“. Zur Finanzierung dieses Buches gab man an die Mitglieder Schuldscheine in Höhe von 50 Pfennigen aus. Als erstes Probelokal wird in den Analen des Vereins von 1896 der „Münchner Hof“ genannt, eine Gaststätte neben der Bäckerei Huller in der damaligen Münchner Straße – heute Landsberger Straße.

Im gleichen Jahr übernahm Herr Augustin den Posten des Chorleiters.

1897

wechselte die Liedertafel das Probelokal. Es war das „Gasthaus Storchenburg“ nördlich der Bahn.
Im Jahre 1904 zog die Liedertafel Pasing in das „Gasthaus Resch“, dem heutigen „Gasthof Zur Post“ um.
Noch heute werden fast alle größeren Veranstaltungen des Vereins im „Gasthof Zur Post“ abgehalten.
Die Vereinsnachrichten wurden in der „Pasinger Zeitung“ und in der „Münchner Post“ bekannt gegeben.

1905

am 01. Januar, wurde Pasing zur Stadt erhoben. Inwieweit sich die Liedertafel Pasing an den Feierlichkeiten beteiligte, ist nicht bekannt. Leider sind auch von 1906 bis 1950 – außer einem Kassenbuch, das im Jahr 1933 beginnt – keine Aufzeichnungen mehr vorhanden. Der Chronist, der dieses Amt nach dem zweiten Weltkrieg ausübte, konnte durch Befragung und Aufzeichnungen ehemaliger Sänger die Chronik nur sehr lückenhaft weiterführen.

1914

Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges, im Sommer 1914, war der Chor auf 80 Mann angewachsen. Doch dieser Krieg lichtete die Reihen der Sänger erheblich. Nach 1919 begannen sich die Lücken wieder langsam mit neuen Sängern zu schließen.

Bis 1933 erreichte der Chor eine Stärke von 70 Sängern. Zu der Zeit waren im Chor auch 40 Frauen, die sich aus Liebe zum Lied dem Gesangverein als aktive Sängerinnen angeschlossen hatten.

1933

Bis 1933 waren neben dem Arbeitergesangverein „Liedertafel Pasing“, in dem einige Zeit nur Männer sangen, die auch Mitglied in der SPD waren, noch der Männergesangverein von 1890, die Turnerriege des Turn- und Sportvereins von 1888, die Sängerrunde des Katholischen Gesellenvereins und die Sängerrunde des katholischen Arbeitervereins tätig.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 wurden im Rahmen der Gleichschaltung alle Pasinger Chöre vereinigt und mit dem Namen „Chorvereinigung Pasing“ fortgeführt.

Auch der zweite Weltkrieg hinterließ seine furchtbaren Spuren. Viele Sangesbrüder kehrten nicht mehr nach Hause zurück oder waren nach 1945 in Kriegsgefangenschaftgeraten. Ein Neuanfang war schwer.

1947

Es war vor allem der Verdienst von Martin Hoffmann, der im Jahre 1947 quer durch Pasing radelte, um die noch verbliebenen Sänger zusammenzuholen.

Viele treue Sänger kamen wieder. Durch die Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit kamen auch viele Heimatvertriebene nach Pasing. Von diesen kamen dann auch einige sangesfreudige Männer zum wieder unter seinem alten Namen neu entstandenen Männerchor „Liedertafel Pasing“.

Doch gab es noch viele Schwierigkeiten zu überwinden. Von den Alliierten waren Zusammenkünfte in Gruppen oder Vereinen untersagt oder wurden zumindest sehr skeptisch betrachtet. Nur der Fürsprache und der persönlichen Bürgschaft des damaligen Stadtrats und Sozialreferenten der Stadt München, Alfons Hoffmann bei den amerikanischen Militärbehörden war es zu verdanken, dass der Verein 1947 wieder ins Leben gerufen werden konnte. Erster Vorstand wurde Wilhelm Klemm und Hans Bögner übernahm die musikalische Leitung der Liedertafel.

Da nach dem Krieg fast alle Vereinsakten, Chroniken, Niederschriften und anderes Vereinseigentum unauffindbar waren, hatte der neue Vorstand nichts, womit er die Vereinsarbeit weiterführen konnte. So kam dieser Wiederbeginn fast einer Neugründung gleich.

1954 konnte Rudolf Böhngen als Chorleiter gewonnen werden.

1956

wurde Martin Hoffmann für den erkrankten Wilhelm Klemm von der Mitgliederversammlung zum ersten Vorstand gewählt.

Die ersten größeren Vereins-Feiern nach dem Krieg waren der „Bunte Abend“ am 27. Oktober 1956 und die Gründungsfeier zum 65. Vereinsjubiläum am 28. November 1959.
Da der Postsaal ab 1937 bis Dezember 1981 für Vereine nicht zur Verfügung stand, fanden diese Feierlichkeiten in der einstigen Brauerei Pasing statt.

1963

Ein Höhepunkt in der Geschichte des Männergesangvereins „Liedertafel Pasing“ war die Mitwirkung bei den Feierlichkeiten zur 1200-Jahr-Feier von Pasing im Jahre 1963, wo die Liedertafel – verstärkt durch zwei weitere Männerchöre – auftrat.
Die Pasinger Presse berichtete damals:
„Ein volkstümliches Konzert, mit einem so großen Aufwand an Kräften, aber auch von solcher Qualität, haben wir in der Nachkriegszeit kaum gehört.“
Leider erreichte die Liedertafel nach dem Krieg nicht mehr die Anzahl an Sängern wie vor dem Krieg, so dass der Chor nur unter Einsatz von Idealisten auf einer Stärke von ca. 30 Mann gehalten werden konnte.

Mit Fleiß und Idealismus führten vor allem Martin Hoffmann bis zu seinem Tod am 11. August 1978, wie auch sein Vertreter, Hans Diepold, die Geschicke des Vereins.

Als Nachfolger von Martin Hoffmann wurde dann Harry Liedtke erster Vorstand.

1980

Im Juni 1980 wurde Walter Raßbach zunächst kommissarischer Vorstand; im Januar 1981 wählte ihn die Mitgliederversammlung dann regulär zum 1. Vorsitzenden.

Er und sein Vorstandsteam, der 2. Vorsitzende Fritz Krausenegger, der dem Chor seit 35 Jahren angehört, der Kassier Franz-Josef Pütz, seit 25 Jahren Mitglied, und der Schriftführer Reiner Labs opfern viel Zeit für den Verein.

1986

Ende 1985 trat Herr Böhngen aus Altersgründen als Chorleiter zurück.
Rudolf Böhngen war 31 Jahre Dirigent des Männergesangvereins „Liedertafel Pasing“ e.V. Sein musikalisches Können hat viel zu den guten Gesangsleistungen und dem daraus erwachsenen Ansehen der Liedertafel beigetragen.

Den Chorleiterposten übernahm am 01. Januar 1986 seine Enkelin Edith Maucher, geb. Meister. Frau Maucher, die es nicht immer leicht hatte, einen zum größten Teil aus älteren Herren bestehenden Chor zu leiten, konnte mit dem Verein einige Erfolge feiern.
Ende 1991 gab Frau Maucher die Chorleitung ab, was die Vorstandschaft sehr bedauerte.

1992

Anfang 1992 konnte Roland Gromotka als Chorleiter unter Vertrag genommen werden. Auf ihn wartete schon die Arbeit, mit dem Chor die Lieder für das Konzert zum 100-jährigen Jubiläum unseres Männer-gesangvereins „Liedertafel Pasing“ e.V. im Jahre 1994 einzustudieren. Da Herr Gromotka sich mit Erfolg bemühte, mit dem kleinen Chor das Beste zu bringen, wurde ihm auch die musikalische Gesamtleitung zum Jubiläum übertragen.

Die Vorstandschaft ist froh, dass Herr Gromotka die Reihe der guten Chorleiter des Männergesangvereins „Liedertafel Pasing“ e.V. fortsetzt.

Seit 1982 ist die „Liedertafel Pasing“ im Vereinsregister beim Amtsgericht München eingetragen und seit dem 01. Januar 1983 Mitglied im „Bayerischen Sängerbund“.

Zur Zeit des 100-jährigen Jubiläums, war die Zahl der Sänger noch einmal gesunken. Der Chor bestand 1994 nur noch aus 22 Männern. Da der Männergesangverein „Liedertafel Pasing“ e.V. außer den Kirchenchören der einzige Pasinger Chor ist, hofften wir, dass in Zukunft wieder mehr Sänger zu uns finden würden.

1994

Zelter-Plakette: Vorderseite
Zelter-Plakette: Vorderseite
Am 20. März 1994 überreichte der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair im Auftrag des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker in Günzburg dem MGV 1894 Liedertafel Pasing e.V. für sein 100-jähriges Bestehen die „Zelter Plakette“.

Absoluter Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Feier für das 100-jährige Jubiläum im April. Es wurde ein Festkonzert mit einigen Gastchören gegeben. Ein Festgottesdienst mit zahlreichen Fahnenabordnungen und anschließendem Festzug durch Pasings Straßen schloss sich an. Die Schar der Gratulanten war groß.
Oberbürgermeister Christian Ude hatte die Schirmherrschaft übernommen.
Im Mai 1994 führte ein Dreitages-Ausflug nach Finsterbergen/Thür., wo auch ein Konzert mit einheimischen Mitwirkenden veranstaltet wurde.
Außerdem wurden Weimar, Eisenach/Wartburg und Meiningen besucht und eine Rennsteigwanderung unternommen.

In den folgenden Jahren bis 1997 konnte der Chor sich mehrfach auszeichnen.
Besuche bei den Chören in Allach und Giesing sowie bei dem MGV Concordia Neuhausen trugen wesentlich zum Ansehen unseres Chores bei.
Mit vielen Auftritten in Pasing verschaffte sich der Chor inzwischen großes Ansehen im Münchner Westen.

1997

Im Jahr 1997 ergab sich bei der Mitgliederversammlung eine Änderung in der Vorstandschaft: Für den langjährigen Kassenwart Franz-Josef Pütz wurde Herbert Langer gewählt. Schriftführerin wurde Marlene Danzer für den nicht mehr angetretenen Reiner Labs. Erster Vorsitzender blieb weiter Walter Raßbach und sein Vertreter Fritz Krausenegger.

Ein Fünftages-Ausflug 1997 ging nach Schleswig-Holstein. In Barmstedt wurde mit der dortigen Singgemeinschaft ein „Bunter Abend“ veranstaltet. In der evangelischen Kirche in Barmstedt wurde die „Deutsche Messe“ von Franz Schubert aufgeführt. Außerdem wurden Lübeck, Laboe, Molfsee, Brunsbüttel, Wedel und Hamburg besucht. Dies war der bisher längste und aufwendigste Ausflug in der Vereinsgeschichte.

Leider besteht der Chor im Jahr 1997 nur noch aus 20 Sängern und 81 Fördermitgliedern.

1998

Höhepunkte im Jahr 1998 war die Aufführung der „Bauernmesse“ von Annette Thoma zusammen mit der „Laimer Hoagartn-Musi“ in Asenham und Langwinkl im niederbayerischen Rottal bei Pater Thomas, dem ehemaligen Pfarrer von St. Willibald in München, sowie der Zweitages-Ausflug nach Bodenwöhr/Opf. Dort traf man sich zu einem Sängerabend mit dem ortsansässigen Chor und der „Concordia“ aus München-Neuhausen. Die Fahrt wurde auf der „Walhalla“ bei Regensburg unterbrochen. Vom Chor der Liedertafel Pasing erschallte in dem ehrwürdigen Bau der „Hymnus – Am kühlenden Morgen“.

Auch das Adventsingen in der Kirche „Mariä Geburt“ reihte sich in das erfolgreiche Jahr 1998 würdig ein. Es wurde damit eine bis heute erfolgreiche Traditionsveranstaltung begründet.

1999

Die Jahreshauptversammlung 1999 brachte eine Änderung in der Vorstandschaft. Neben den bewährten Vorstandsmitgliedern Walter Raßbach (Vorstand) und Herbert Langer (Kassier) wurde Klaus Schneider als stellvertretender Vorsitzender gewählt – mit Dank an seinen Vorgänger Fritz Krausenegger für dessen erfolgreiche Arbeit. Frau Ingeborg Schuster wurde als Schriftführerin gewählt. Diese Wahl belebte die Vereinsarbeit in jeder Beziehung.

Im Juni feierten wir unser 105-jähriges Gründungsjubiläum im Saal des „Alfons-Hoffmann-Altenheim“. Mit den „Giesingern“, der „Concordia“, der „Singgemeinschaft Barmstedt“ aus Schleswig-Holstein, der „Laimer Hoagartn-Musi“ und dem „Volkstanzkreis München-Pasing“ wurde ein Festkonzert gestaltet. Den Festabend moderierte Hans Grindl.

Weitere größere Auftritte waren die Teilnahme an der „115-Jahr-Feier“ des MGV „Concordia Neuhausen“ im Kolpinghaus an der Haneberg-straße, sowie das Adventsingen in der Kirche „Mariä Geburt“.

Die Liedertafel trat auch der 1999 wieder gegründeten ARGE , der Arbeitsgemeinschaft der Pasinger Vereine, bei.

2000

beteiligte sich der Verein erstmals an der „Faschingsdienstags-Gaudi“ – organisiert von der ARGE – in der Gleichmannstraße mit einem „Verpflegungsstand“. Dies erschloss auch eine neue „Finanz-Quelle“.

Der Vereinsausflug ging nach Marktl/Inn, Raitenhaslach, Tittmoning und weiter mit einer Plättenfahrt auf der Salzach nach Burghausen.

Ein Herbst-Singen wurde im Lindenplatzl (Taverne Nostalgia) zusammen mit der „Concordia“ veranstaltet. Das Adventsingen in der Kirche „Mariä Geburt“ war wieder ein Erfolg.

2001

Bei der Jahreshauptversammlung 2001 wurde bei der Wahl die Vorstandschaft bestätigt. Walter Raßbach ist nunmehr ununterbrochen seit 20 Jahren erster Vorsitzender der „Liedertafel Pasing“e.V. Der Chor besteht aus 24 Sängern. Der Mitgliedsbeitrag wird ab 2002 auf 20,00 Euro festgelegt.

Erneute erfolgreiche Teilnahme an der „Faschingsdienstags-Gaudi“ in der Gleichmannstraße. Der Ausflug führte in den Bayerischen Wald (Dingolfing, Tittling, Museumsdorf Tüßling, Gasthof „Bräu im Moos“).

2002

Im Jahre 2002 unternahm der Verein einen Ausflug an die Mosel.
50 Mitglieder nahmen daran teil. Quartier wurde in Ürzig bezogen.
Der Chor sang vor begeistertem Publikum in der Pfarrkirche in Ürzig die „Bauernmesse“ von Annette Thoma, begleitet von der „Loamer Stubenmusi“.

Der erste Vorsitzende Walter Raßbach wurde bei unserer Weihnachtsfeier vom Bayerischen Sängerbund mit der „Goldenen Ehrennadel“ für 40-jährige Vereinsarbeit in der Vorstandschaft der Liedertafel ausgezeichnet.

Bei der Würmtaler Trachtenwallfahrt in Andechs durften wir die „Waldlermesse“ singen – ebenso bei der Festmesse in Maria Schutz zur 100-Jahr-Feier des Vereins der Niederbayern in Pasing.

2003

Im Herbst 2002 gründete sich ein Damen-Singkreis aus dem Kreis der Fördermitglieder, der im Frühjahr 2003 seine Tätigkeit aufnahm.

Die gesamte Vorstandschaft wurde in der Jahreshauptversammlung 2003 in ihren Funktionen bestätigt.

Das Jahr 2003 war das Jahr mit den meisten Mitgliederaufnahmen.

Der Verein besteht am Jahresende aus 190 Mitgliedern, davon 32 Sängern und 20 Sängerinnen im angeschlossenen Damen-Singkreis.
Dies ist der höchste Mitgliederbestand in der Vereinsgeschichte.